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Einen eigenen Sloe Gin ansetzen

Einen eigenen Sloe Gin ansetzen ist das perfekte Vorhaben für einen kommenden Winter: Mit dem ersten Frost verlieren Schlehen (oder genauer: Schlehdorn) ihre extreme Bitterkeit und können zu einem Sloe Gin angesetzt werden. Dabei handelt es sich um einen Likör auf der Basis von Gin, in dem Schlehen mazeriert werden. Anschließend wird Zuckersirup dazu gegeben. Natürlich kann man auch gute Sloe Gins kaufen: Der günstige und gute Einstieg ist der Gordons Sloe Gin, ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet der Sipsmith Sloe Gin und teuer, aber außergewöhnlich in der Trübung und seinem Geschmack ist der Monkey 47 Sloe Gin. Aber man kann und sollte auch einmal selbst einen Ansatz wagen, schließlich wächst Schlehdorn in den ländlichen Gebieten oft am Wegesrand und die Schlehen können frei gepflückt werden. Der eigene Sloe Gin schmeckt noch einmal wesentlich intensiver nach Schlehe, als gekaufte Produkte. Das typische Aroma ist aufgrund der Blausäure übrigens Bittermandel.

Die relativ dornigen Büsche erschweren zwar das Pflücken und man hat danach unter Umständen zerkratzte Hände. Aber unsere Ausbeute nach ca. einer Stunde mit vier Leuten waren 3,5 kg – da kann man schon einiges an Sloe Gin ansetzen! Nach dem Pflücken der Schlehen müssen diese – ruhig mehrmals – gut gewaschen werden. Alle Äste, Blätter und sonstige Fremdkörper müssen gründlich aussortiert werden. Man kann die Schale anpieksen, damit die Schlehen ihre Farb- und Geschmacksstoffe besser abgeben können. Zum Beispiel einfach mit einem Zahnstocher jede Schlehe ein oder zweimal anstechen. Wir haben sie noch drei Tage im Tiefkühlfach gelagert, da wir nicht sicher waren, ob alle Schlehen Frost abbekommen haben.

Nun benötigt man einen Gin zum mazerieren. Der Gin ist die Basis für den Schlehenlikör. Dieser sollte hochprozentig sein, z. B. 47 % vol. haben, aber muss nicht unbedingt teuer sein: der Finsbury Platinum bietet sich an! Allerdings probieren wir auch den Monkey 47 aus, um unseren selbstgemachten Sloe Gin mit dem Sloe Gin aus der Produktpalette von Monkey 47 zu vergleichen. Außerdem nehmen wir noch den zitruslastigen Tanqueray Ten.

Die Schlehen werden zusammen mit dem Gin je nach gewünschter Intensität im Verhältnis 1:1 oder 2:1 in Gefäße gegeben (bis zum Rand füllen) und luftdicht verschlossen. Braune Weithalsgläser aus dem Laborbedarf sind am praktischsten, da die große Öffnung das einfüllen erleichtert und die Deckel relativ dicht sind. Außerdem bieten sie einen Lichtschutz während der Lagerung. Bei den Milchflaschen, die wir verwendet haben, liefen einige Flaschen aus, so dass wir umfüllen mussten – das Bügelglas (normalerweise für Müsli genutzt) muss mit einem Dichtungsring versehen werden, ist aber besonders für große Mengen praktisch, da es das größte Fassungsvermögen besitzt.

Wir testen verschiedene Mischungsverhältnisse und nehmen manchmal Zucker direkt mit dazu. In den anderen Fällen wird der Zucker später als Sirup dazu gegeben.

Die verschlossenen Gefäße möglichst dunkel und bei Zimmertemperatur lagern. Die Lagerzeit beträgt 4 bis 8 Wochen. Dabei sollte man alle paar Tage die Schlehen aufschütteln oder das Gefäß herumdrehen (Achtung: Besser über der Spüle, falls die Gläser auslaufen).

Alle unsere Schlehen angesetzt ergibt sich folgendes Zwischenergebnis – weiter geht es nach ca. 2 Monaten mit der Filtrierung und der Abfüllung.

Tabelle Sloe Gin Ansatz

Nach fast 10 Wochen der Mazeration, bei der ca. alle 3 Tage das Glas kurz gewendet und die Schlehen aufgeschüttelt wurden, öffnen wir die Gläser und starten die Filtrierung. Denn es haben sich viele Trubstoffe gebildet, so dass ein einfaches Sieben des Sloe Gin Ansatzes nicht ausreicht. Wir verwenden Kaffeefilter. Man braucht aber eine ganze Menge davon, denn die Filter sind schnell verstopft. Ein Leinentuch ist hier umweltschonender.

Für die Filtrierung bauen wir uns aus einem Mikrowellenrost, einem Bierdeckelhalter, einem Trichter sowie drei Vorratsdosen eine Vorrichtung, bei der wir den Sloe Gin Ansatz immer wieder in den Filter nachgießen können und der Sloe Gin langsam in einen Behälter fließen kann. Denn es dauert recht lange, bis alles durchgeflossen ist und das Halten mit der Hand wäre recht anstrengend.

Den filtrierten Sloe Gin füllen wir in gut gesäuberte und sterilisierte Flaschen ab. Die Ansätze ohne Zucker müssen wir noch mir Zuckersirup versetzen, dazu einfach 500g Zucker mit 250ml Wasser zu einem Sirup einkochen.

Nun lassen wir den Sloe Gin noch einmal knapp 3 Wochen ruhen, bis er getrunken werden kann.

Wir stellen fest, dass die Ansätze im Verhältnis 2:1 (Schlehen zu Gin) deutlich trüber sind als die Ansätze im Verhältnis 1:1. Wir beurteilen alle Ansätze anhand der Farbe, des Geruchs und des Geschmacks.

Tabelle Sloe Gin Ergebnis

Unser Fazit:

Am besten hat uns der Sloe Gin aus folgendem Ansatz geschmeckt:

450ml Finsbury Platinum Gin
500g Schlehen
250g brauner Kandiszucker

Das Mischungsverhältnis 1:1 erzielt eine schönere Farbe als wenn man mehr Schlehen hinzugibt. Der Ansatz aus dem Bügelglas war defekt, vermutlich war der Dichtungsring nicht mehr in Ordnung. Braune Weithalsgläser eignen sich prima. Zucker direkt im Ansatz war vom Geschmack runder als die Zugabe von Zuckersirup. Es kann zwar auch teurer Gin genutzt werden (schmeckten auch sehr gut), im Sinne eines guten Preis-Leistungsverhältnis reicht der Finsbury Platinum aber aus.

“Vitamine für Männer”

Wie man einen Sloe Gin selber macht, könnt ihr auch in der BEEF! nachlesen. Unser Sloe Gin Experiment wurde nämlich in dem BEEF! Sonderheft “99 Abenteuer für Kerle” als Abenteuer Nr. 35 aufgenommen. Die BEEF! schreibt: “Schlehen-Gin ist nicht so süß wie andere Liköre, und er hat mehr Wumms. Pur trinken, als “Sloe Gin & Tonic” oder “Sloe Gin Fizz”! Das Rezept entspricht genau unserem Lieblingsansatz.

Ab zum BEEF! Sonderheft